Wenn man mich fragt, was in meinem Leben eine besondere Rolle spielt, dann könnte ich „42“ sagen.
Eine Zahl, die mich, 56 Jahre, Industriekaufmann, schon nach Berlin, Hamburg, New York, Barcelona und Rom geführt hat, und die mich oft monatelang beschäftigt.

Aber wie bei allen wichtigen Dingen verbirgt sich hinter der bloßen Zahl etwas mehr, und das nicht nur, weil es genau genommen um 42,195 km geht: Die Marathon-Distanz, die für mich Herausforderung und Ansporn ist – und auf der ich vor Jahren meine Alkoholsucht überwunden habe.

Und trotzdem ist „42“ nicht die Antwort, wenn ich gefragt werde, was in meinem Leben wirklich wichtig ist. Es ist überhaupt keine Zahl, sondern ein ganz einfaches, klares Bekenntnis: Gott, der Glaube spielt in meinem Leben die größte Rolle. Der Glaube, der mich seit rund 18 Jahren trägt, und die Gemeinde -eine unerlässliche Anlaufstelle: Glaube und Kirche sind für mich eine Einheit. Ich brauche Ansprechpartner, wenn ich nicht weiß, wie ich meinen Glauben interpretieren soll – und die treffe ich dort.

Seit 2017 bin ich Gemeindekirchenrat in Tonndorf. Mein erster Impuls war, dass ich mit meiner Arbeit etwas zurückgeben wollte, dass ich damit Gott danken wollte.
Inzwischen habe ich aber verstanden, dass das gar nicht notwendig ist. Denn Gottes Liebe braucht keine Gegenleistung.
Ich bin jemand, der sich stark über Leistung definiert.
Was ich tue, will ich zu 100% und zur vollsten Zufriedenheit aller über die Bühne kriegen. Ich habe erkannt, dass mir diese Einstellung im Glauben nichts nützt.
Gott ist es egal, welche Leistung ich erbringe. Ich kann mir seine Liebe nicht erkaufen, aber es gibt genügend andere Gründe, sich aktiv am Leben der Gemeinde zu beteiligen: Wir sind eine Gemeinschaft, und damit keiner allein dasteht, braucht es Leute, die sich engagieren. Je mehr das tun, desto vielfältiger sind auch die Begabungen, die alle einbringen.

Und die „42“ hat noch eine andere Bedeutung für mich.
Während des Kirchentages 2017 in Berlin, wurde mir bei einem Seminar ein Vers aus Jesaja zugelost, über den ich mir Gedanken machen sollte. Jesaja 42, Vers 16.
Aber die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ich will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen. Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen und das Höckerige zur Ebene. Das alles will ich tun und nicht davon lassen.“

Ich habe lange versucht für mich herauszufinden, was Gott mir damit sagen will – obwohl es ja recht eindeutig ist: Ich soll losziehen und Menschen, die Gott nicht kennen davon überzeugen, den Weg zu ihm einzuschlagen, soll von Seinem Wirken an und in mir Zeugnis ablegen.
Trotzdem hat es noch weitere drei Jahre gebrauch, bevor ich erkannt habe, wie ich das am besten angehe. Inzwischen habe ich mit einer Ausbildung zum Lektor begonnen. So Gott will, schließt sich daran, im Spätherbst 2022 eine weitere Ausbildung, nämlich zum Prädikanten, an. Und wer weiß, was dann noch auf mich wartet.
Die Aufgaben, die es eben gibt, werde ich tatkräftig angehen.

 

 

 

© 2022-04-10 ingo-hofmann.de